Unterschied zwischen impliziter und expliziter Erinnerung – Was weiß ich noch bei Amnesie?

Wenn wir Sinneseindrücke aufnehmen, verarbeiten wir sie im Kortex. Von dort geht die Reise in tiefere Regionen unseres Gehirns. Ob die Eindrücke und Erlebnisse Im Gedächtnis gespeichert werden, entscheidet sich jetzt.

Stellen wir uns vor, jemand könnte sich nicht mehr an all das erinnern, was er mal erlebt hat. Sie kennen das zum Beispiel aus Spielfilmen. Diese Person leidet unter einem Krankheitsbild namens Amnesie.

Explizites und implizites Gedächtnis

Eine Amnesie kann durch eine Verletzung am Kopf hervorgerufen werden, bei der das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen wurde. Einen Fall beschreibt Sacks, ein Neurologe von einem Patienten, der sich nach einem Autounfall nicht mehr daran erinnern konnte, dass die Menschheit es auf den Mond geschafft hatte. Zwar wusste Jimmy, dass es sich um ein Foto handelt, konnte sich aber nicht erklären, wie ein Bild von der Erde entstanden sein sollte. Der Neurologe schlussfolgerte, Jimmy kann zwar lernen, sich aber nicht erinnern.

Menschen mit Gedächtnisverlust können via Konditionierung alles lernen, jedoch haben sie kein Bewusstsein dafür, was sie gelernt haben. Interessanterweise zeigt aber der Körper sehr wohl Reaktionen an, die darauf hindeuten, dass irgendeine Art Wiedererkennung stattfindet.

Ergebnis: Das Gedächtnis ist nicht ein ganzes, sondern besteht aus verschiedenen Systemen.

Amnestika erinnern sich nicht bewusst. Sie können aber unbewusst lernen. Ein System ist demnach dafür zuständig, dass wir erklären können, was wir wissen und der andere Teil dafür, zu wissen, wie etwas geht.

Ersteres heißt explizites Gedächtnis und der unbewusste Part wird als implizites Gedächtnis bezeichnet.

Im Klartext: liest ein Amnestika eine Geschichte doppelt, ist er beim zweiten Mal zwar schneller, weiß aber nicht, dass er sie schon kennt.

Interessanterweise geht es auch Alzheimerpatienten ähnlich. Sie können weiterhin Neues lernen, aber nichts von dem Gelernten bewusst abrufen. Zudem haben sie verlernt, alte Erinnerungen abzurufen.

Was lernen wir aus diesen Fakten: Gedächtniskrankheiten können zum Verlust der Erinnerungen führen. Der Verlust ist jedoch nur oberflächlich. Denn tatsächlich sind die Erinnerungen nicht unwiderruflich gelöscht, sondern einfach nicht abrufbar.

Amnesie kann teilweise passieren, indem sich ein Patient an eine gewisse Zeitspanne nicht erinnern kann oder das ganze Leben betreffen. Oft sind Amnesien gar umkehrbar oder nur für eine gewisse Zeit aktiv.

Gedächtnisverlust

Nicht selten tritt ein partieller Gedächtnisverlust als Folge eines Traumas auf. Es ist bis heute nicht ausreichend erforscht, warum das passiert. Aber die Vermutung liegt nahe, dass das menschliche Gehirn in der Lage ist, die Amnesie als Schutzmechanismus einzuleiten. In dem Fall wäre eine Amnesie keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern ein Prozess, der den Körper zur Selbsthilfe befähigt oder wenigstens das Weiterleben ermöglicht.

Interessanterweise gibt es mittlerweile eine ähnliche Theorie bei Depressionen. Die Unfähigkeit, eine Zeit keine Freude empfinden zu können, zwingt zum Verarbeiten und schützt vor Verdrängung und Ablenkung. Allerdings gilt das nicht für chronische Depressionen.

Das Gedächtnis ist kein einfaches System, es ist ein Zusammenspiel aus verschiedenen Systemen. Entsprechend kann es hier überall zu Störungen kommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.